Mittwoch, 21. August 2013

Vater des Würzburger Basketball Booms zieht sich weiter zurück

Hallo zusammen,

zu einer neuen Ausgabe meines Basketball Blogs. Die Teams sind mittlerweile alle in die Vorbereitung auf die neue BBL Saison gestartet und doch beherrscht hier in Würzburg ein ganz anderes Thema die Schlagzeilen.

Dass Jochen Bähr ab der neuen Spielzeit 2013-2014 bei den s.Oliver Baskets deutlich kürzer treten würde, war im Umfeld des fränkischen Basketball Bundesligisten schon länger ein offenes Geheimnis. Zu zeitintensiv sei die Arbeit bei den Baskets mittlerweile geworden um diese weiterhin mit dem Posten des Geschäftsführers im eigenen lokalen Unternehmen kombinieren zu können, so Bähr. Verständlich, zumindest für alle die in etwa wissen wie viel Aufwand Bähr in den letzten Jahren ehrenamtlich für „seine“ Baskets betrieben hat. Außerdem gibt es ja, man mag es kaum für möglich halten, auch noch die Privatperson Jochen Bähr, für die er in den vergangenen Jahren sicherlich recht wenig Zeit gehabt haben dürfte.

Kaum verwunderlich also, dass die Baskets am 22.05.2013 den Rückzug von Jochen Bähr als Geschäftsführer der s.Oliver Baskets zum 30.06.2013 bekannt gaben. Zukünftig solle Steffen Liebler (nach dem Ausstieg vom zweiten Baskets Mitgründer Klaus Heuberger in die Führungsetage aufgerückt) die Baskets als alleiniger Geschäftsführer weiterführen. Bähr indes strebte die Führung des neu geplanten Aufsichtsrates der s.Oliver Baskets an.

Soweit so gut also, doch schon bald sollten die ersten kleinen Wolken über der heilen Baskets Welt auftauchen.

Beim „Kiliani Stammtisch“ vom örtlichen Lokalsender sprach Jochen Bähr erstmals über gewisse Disharmonien, die es auf dem Weg zum Vorsitz des Aufsichtsrates der Würzburger Basketballer auszuräumen gilt. Die übrigen Gesellschafter würden sein Streben nach Fortschritt und Wachstum der Baskets derzeit noch nicht mittragen. Zudem wirkte er bei dieser Interviewrunde sehr angespannt und schloss auch hier schon einen weiteren, kompletten Rückzug von seinem „Baby“ nicht mehr aus.

Hinter der sprichwörtlichen Hand munkelte man schon diesem Zeitpunkt, dass der angestrebte Bau einer neuen Multifunktionshalle einer der Streitpunkte sein könnte. Einige in der Gesellschafterrunde seien von der Rentabilität solch einer Halle nicht unbedingt überzeugt. Allerdings wurde von Jochen Bähr und auch Steffen Liebler in der Vergangenheit immer wieder betont, wie wichtig eine neue Halle für die langfristige Installation der s.Oliver Baskets in der Spitze der Basketball Bundesliga sei. Ohne diesen Hallenbau werde es, aufgrund der limitierten Sponsoren und Vermarktungsmöglichkeiten der deutlich in die Jahre gekommenen Schulturnhalle „s.Oliver Arena“, auf Dauer keinen Bundesliga Basketball mehr in Würzburg geben.

Bekanntlich ist die Beko Basketball Bundesliga eine der am rasantesten wachsenden Ligen in Europa, welche sich zum Ziel gesetzt hat bis 2020 die kontinentale Nummer eins zu sein. Dieser Entwicklung kann man, zweifelsfrei, mit der aktuellen Spielstätte nicht Schritt halten. Vor allem nicht, wenn man sieht wie an anderen Bundesliga Standorten neue Arenen aus dem Boden gestampft werden (Ulm, Oldenburg).

Das Interview bereitete zwar einigen Basketsfans und Basketball Interessierten schon gewisse Kopfzerbrechen und etwaige Untergangsszenarien wurden im Internet zahlreich gesponnen, doch war man sich grundsätzlich einig dass die Gesellschafter und Jochen Bähr schon einen gemeinsamen Konsens finden würden.

Am vergangenen Montag, den 19.08.2013 platzte dann die Bombe in Form eines Zeitungsartikels des örtlichen Lokalblattes mit der Überschrift „Baskets-Mitbegründer Jochen Bähr zieht sich weiter zurück“ mit dem Zusatz „Der Baskets-Mitbegründer verzichtet künftig auf ein Aufsichtsrats-Mandat beim Würzburger Erstligisten“. Boom! Das hat in der Würzburger Basketball Szene wie ein Blitz eingeschlagen und wurde wohl nur von den wenigsten Experten erwartet.

Weiter wird Jochen Bähr mit den Worten zitiert: „Da die Arbeit im Aufsichtsrat ebenso zeitaufwendig und belastend wäre wie die Funktion als Geschäftsführer, kann ich dies mit meiner Tätigkeit als Geschäftsführer bei 'büroforum' nicht mehr vereinbaren“. Diese Worte erreichten zahlreiche Sponsoren und Partner der s.Oliver Baskets in Briefform und dürften wohl für erhebliches Aufsehen gesorgt haben, vor allem da Bähr nach Aussage der Baskets zukünftig weiterhin für die Akquise und Betreuung der Sponsoren zuständig sein sollte.

Eigenen Angaben nach hat Jochen Bähr den übrigen Gesellschaftern angeboten, als Geschäftsführer seiner eigenen Firma zukünftig kürzer zu treten, um den zeitlich steigenden Aufwand als Baskets-Manager weiterhin meistern zu können. Gegen ein entsprechendes Honorar natürlich, mit dem er die Gehaltsausfälle seiner Geschäftsführer-Tätigkeit in der eigenen Firma ausgeglichen hätte. Soweit eigentlich alles gut nachvollziehbar und verständlich, allerdings lehnten dies die anderen Mit-Gesellschafter  um Rechtsanwalt Bruno Fraas, Steuerberater Norbert Wagner sowie Projekt-Manager Gerold Bader unter dem Hinweis auf die fehlenden finanzielle Grundlage im Budget der Baskets ab.

Ein Schlag ins Gesicht von Jochen Bähr, für den es nach eigener Aussage nach sieben Jahren nun auch einmal Zeit wird an sich zu denken.

Quo vadis, Würzburg Baskets?

Viele im Umfeld der s.Oliver Baskets fragen sich daher nun, wie es wohl ohne den „Vater des Erfolges“ weiter gehen soll, den Untergang der damaligen Bundesliga Basketballer X-rays stets im Hinterkopf.

Wieder werden im Internet (vor allem bei der Basketball Community „Schönen Dunk“) die wildeste Theorien und Untergangsszenarien gesponnen. „Ohne Bähr wird es zukünftig keine Baskets mehr geben“ meinen dort nicht wenige User. Schließlich sei er es gewesen, der die am Ende der kommenden Spielzeit auslaufenden Verträge mit den wichtigsten Sponsoren eingefädelt hat. Passend zu diesen Meinungen hat Baskets Hallensprecher Matthias Bielek eine Online-Petition zum Verbleib bzw. zu Installation von Jochen Bähr als hauptamtlichen Manager der Baskets gestartet. Der Erfolg dieser Petition, welche an die übrigen Gesellschafter direkt gerichtet ist, darf durchaus kritisch gesehen bzw. bezweifelt werden und könnte sich im Umkehrschluss (bei Misserfolg) als böser Boomerang für Jochen Bähr erweisen.

Ich für meinen Teil bin da eher der Meinung die verbliebenen Gesellschafter (alles renommierte Geschäftsleute oder Anwälte mit gutem Netzwerk) sind auch nicht auf der sprichwörtlichen Brotsuppe daher geschwommen und wären durchaus in der Lage die Sponsoren weiterhin im Boot zu halten und ggf. neue dazu zu holen.

Freilich ist es vor allem dem Einsatz von Jochen Bähr und Klaus Heuberger zu verdanken, dass innerhalb der letzten sieben Jahre wieder einen Basketball Bundesligisten rasant heran gewachsen ist, dessen begeisterungsfähiges Umfeld sicherlich seines Gleichen sucht. Dennoch bin ich schlichtweg der Meinung, dass jeder Mensch irgendwann einmal an die Grenzen seiner Möglichkeiten stößt, sowohl zeitlich als auch fachlich. Zweifelsfrei hat Jochen Bähr durch seinen Wirtschaftsbackground eine solide Basis für die Langfristigkeit des Projekts Würzburg Baskets geschaffen, jedoch hat er in der Vergangenheit bei einigen Entscheidungen, den sportlichen Bereich betreffend, kräftig daneben gelangt. Angefangen mit der Entlassung von Erfolgscoach John Patrick und der Wiederberufung von Marcel Schröder als dessen Nachfolger bis hin zum Verzicht auf einen wirklichen Basketball Experten als Sportlichen Leiter, waren dies alles Dinge die den langfristigen Erfolg und Wachstum dieses Projektes negativ beeinflussen können. Den eigenen Ansprüchen betreffend der Professionalisierung der Baskets hinkt dies in meinen Augen jedenfalls gewaltig hinterher. Auch im Lager der Fans kamen diese Dinge vielerorts nicht gut an und haben, auch spürbar, zu einem Abflauen des Baskets-Hypes geführt. Noch lässt sich das in Zahlen sicherlich nicht sichtbar fest machen, allerdings kann auch das nur eine Frage der Zeit sein, z.B. wenn der sportliche Erfolg in dieser Saison erneut ausbleiben sollte.

Ist der Rückzug von Jochen Bähr dann vielleicht doch eher ein Manöver zum eigenen Schutz, falls seine sportlichen Entscheidungen sich längerfristig als falsch heraus stellen sollten? Hatten die Mit-Gesellschafter vielleicht auch einfach keine Lust mehr auf die, nach außen zumindest so wirkende, One-Man-Show von Jochen Bähr? Seine Begeisterung und sein Engagement für die Würzburg Baskets möchte ich ihm an dieser Stelle keinesfalls absprechen, ganz im Gegenteil. Jedoch hat er doch das ein oder andere Mal Kritiker und Leute mit anderer Meinung bzw. Ansichten wurden weggelobt oder ausgetauscht. Sogar den Beinamen „Sonnenkönig des Würzburger Basketballs“ bekam er von einigen Fans auf Grund dessen verliehen.

Daher sage ich zum Abschluss dies Beitrags: Vielen Dank Jochen Bähr für die geleistete Arbeit in den vergangenen sieben Jahren. Ohne dich und Klaus Heuberger müssten wir heute wohl immer noch nach Frankfurt oder Bamberg fahren um Bundesliga Basketball zu sehen. Genieße einfach den Rückblick auf das von euch Erreichte.

Trotzdem sehe ich den möglichen Kompletttückzug von Jochen Bähr von den s.Oliver Baskets weitaus  weniger dramatisch als so manch andere, Bähr nahe Person. Viel mehr könnte dies der Startschuss für eine, meiner Meinung nach auch nötige, neue und in vielen Bereichen professionellere Ausrichtung der s.Oliver Baskets werden. Aber nur dann, wenn die Gesellschafter sich trauen auch mal entsprechend kompetente Leute von außen dazu zu holen.


Denn wie sagt man so schön „der Blick von außen ist oftmals klarer als der von innen“.

Das soll es dann auch schon wieder von mir gewesen sein. Aufgrund der Aktualität und der Brisanz des Themas würden mich eure Meinungen dazu dieses Mal noch brennender interessieren. Schaut einfach mal auf meiner Facebook Fanpage vorbei und sagt was ihr von der ganzen Sache haltet. Ich freue mich auf eure Meinungen!

Bis zum nächsten Mal,

Freddy

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